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Merkblatt D-06

Sinn und Unsinn von Monokulturen in der Landwirtschaft

Aktualisiert am 28. September 20263 Min. LesezeitGAP-Konditionalität

Monokultur ist in der öffentlichen Debatte ein Kampfbegriff. In der Landwirtschaft meint er etwas Genaueres: den Anbau derselben Kultur auf derselben Fläche über mehrere Jahre, oder im weiteren Sinn eine Landschaft, die von einer einzigen Kultur geprägt ist. Beides hat Gründe – und Folgen.

Dichter Maisbestand, Blick in die Reihen eines Maisfelds
Mais im Osnabrücker Land: in manchen Regionen dominiert eine Kultur das Landschaftsbild. Foto: Clemens.Ratte-Polle, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons.

Begriffe: Monokultur, enge Fruchtfolge, Selbstfolge

Streng genommen ist fast jedes Feld in einem Jahr eine Monokultur: Auf ihm wächst Weizen, Mais oder Raps. Problematisch wird es, wenn die gleiche Kultur jahrelang auf derselben Fläche steht – Fachleute sprechen von Selbstfolge – oder wenn nur zwei, drei Kulturen in schneller Folge wechseln, also eine enge Fruchtfolge. Im Wald spricht man von Monokultur, wenn große Flächen mit einer einzigen Baumart bestockt sind, klassisch mit Fichte.

Warum Betriebe auf wenige Kulturen setzen

  • Spezialisierung: Maschinen, Lager, Wissen und Absatzwege sind auf bestimmte Kulturen ausgerichtet.
  • Wirtschaftlichkeit: Kulturen mit hohem Deckungsbeitrag verdrängen weniger rentable. In Regionen mit Biogasanlagen oder viel Viehhaltung ist Mais als Futter- und Energiepflanze besonders attraktiv.
  • Arbeitswirtschaft: Wenige Kulturen bedeuten weniger unterschiedliche Arbeitsspitzen.
  • Standort: Manche Böden und Klimaräume lassen nur ein begrenztes Spektrum zu.

Diese Gründe sind rational. Die Kosten der engen Fruchtfolge zeigen sich aber oft erst über Jahre – und nicht immer auf dem eigenen Konto.

Die Folgen

Boden: Kulturen wie Mais bedecken den Boden lange nicht und fördern Erosion bei Starkregen. Einseitige Fruchtfolgen können Humus abbauen und die Bodenstruktur verschlechtern.

Schädlinge und Krankheiten: Wer immer dasselbe anbaut, gibt spezialisierten Schaderregern ideale Bedingungen. Beispiele sind Fruchtfolgekrankheiten im Getreide oder der Maiswurzelbohrer. Die Folge ist ein höherer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – mit Kosten, Resistenzproblemen und Risiken für Umwelt und Anwender.

Artenvielfalt: Große, einheitliche Flächen bieten Insekten, Feldvögeln und Ackerwildkräutern wenig Lebensraum. Der Rückgang von Arten der Agrarlandschaft ist gut belegt.

Wald: Fichtenreinbestände haben in den Dürrejahren seit 2018 gezeigt, wie verwundbar Monokulturen sind: Borkenkäfer, Sturm und Trockenheit haben in vielen Regionen großflächig Wald zerstört. Die Aufarbeitung von Schadholz gehört zu den gefährlichsten Arbeiten überhaupt – eine Seite des Themas, die für die Unfallversicherung besonders relevant ist.

Kreisdiagramm einer viergliedrigen FruchtfolgeWinterweizenWinterrapsWintergersteLeguminosen4 JahreBeispiel einer viergliedrigen Fruchtfolge – je Betrieb verschieden
Eine vielgliedrige Fruchtfolge verteilt Risiken: Leguminosen binden Stickstoff, Wechsel zwischen Winter- und Sommerungen stört Unkraut und Schaderreger.

Was gegensteuert

Fruchtfolge: Der Wechsel zwischen Blatt- und Halmfrüchten, Winter- und Sommerungen, der Anbau von Leguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen oder Klee und von Zwischenfrüchten stärkt den Boden und bricht Infektionsketten.

Vorgaben der Agrarpolitik: Seit 2023 knüpft die GAP die Direktzahlungen an Standards für den guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand (GLÖZ). Einer davon betrifft den Fruchtwechsel auf Ackerland. Die EU hat diese Vorgabe 2024 vereinfacht; Betriebe können sie seitdem auch über eine Anbaudiversifizierung erfüllen. Hinzu kommen Öko-Regelungen, die vielfältige Kulturen mit Leguminosen honorieren.

Mischkulturen und neue Systeme: Gemengeanbau, Untersaaten, Agroforstsysteme und Blühstreifen bringen Vielfalt auf die Fläche – mit neuen Herausforderungen für Technik und Wirtschaftlichkeit.

Waldumbau: Mischwälder aus standortgerechten Baumarten sind stabiler. Der Umbau dauert Jahrzehnte und wird von Bund und Ländern gefördert.

Gut zu wissen

„Monokultur“ ist nicht dasselbe wie „konventionell“ und „vielfältig“ nicht dasselbe wie „bio“. Auch konventionelle Betriebe fahren weite Fruchtfolgen, und auch im Ökolandbau gibt es enge. Entscheidend ist die Praxis auf der einzelnen Fläche.

Fazit

Monokulturen sind kein Zeichen von Unvernunft, sondern oft Ergebnis wirtschaftlicher Zwänge. Ihr Preis – für Böden, Artenvielfalt und die Widerstandsfähigkeit der Betriebe – wird aber zunehmend sichtbar. Vielfalt auf dem Acker ist keine Nostalgie, sondern Risikomanagement: Wer breit aufgestellt ist, verliert weniger, wenn ein Jahr, eine Kultur oder ein Markt schlecht läuft.

Quellen und weiterführende Stellen