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Merkblatt D-07

Ist die Permakultur die Landwirtschaft der Zukunft?

Aktualisiert am 28. September 20263 Min. Lesezeit

Permakultur hat den Ruf eines Gartentrends. Tatsächlich ist sie ein Planungsansatz, der seit den 1970er-Jahren diskutiert wird und inzwischen auch Betriebe beeinflusst – vom Gemüsebau bis zum Agroforst. Kann sie die Landwirtschaft der Zukunft sein?

Permakulturgarten mit Hochbeeten, Mischkultur und Obstgehölzen
Mischkultur und dauerhafte Strukturen: Kennzeichen eines Permakulturgartens. Foto: PermaKulturgut.de, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons.

Woher die Idee kommt

Der Begriff geht auf die Australier Bill Mollison und David Holmgren zurück, die in den 1970er-Jahren ein Konzept für eine „permanent agriculture“ entwickelten – eine dauerhafte, sich selbst erhaltende Landwirtschaft nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme. Später weitete sich der Begriff zu „permanent culture“ aus: Es ging nicht mehr nur um Anbau, sondern um die Gestaltung ganzer Lebensräume, Häuser und Gemeinschaften.

Drei ethische Grundsätze prägen den Ansatz: Sorge für die Erde, Sorge für die Menschen und ein gerechtes Teilen von Überschüssen. Daraus leiten sich Gestaltungsprinzipien ab, etwa Energie und Nährstoffe im Kreislauf zu halten, Vielfalt zu nutzen und Elemente so anzuordnen, dass sie sich gegenseitig unterstützen.

Das Zonenmodell

Zonenmodell der Permakultur von Zone 0 bis Zone 5Zone 0 HausZone 1 KüchengartenZone 2 Obst, KleintiereZone 3 Acker, WeideZone 4 Wiese, HolzZone 5 Wildnis
Das Zonenmodell ordnet Elemente nach der Häufigkeit, mit der sie Aufmerksamkeit brauchen.

Ein bekanntes Werkzeug ist das Zonenmodell. Im Zentrum steht das Haus (Zone 0). Was täglich gebraucht und gepflegt wird – Kräuter, Salat, Hühner –, liegt nah (Zone 1 und 2). Obstgehölze, Acker und Weide folgen weiter außen, Wiese und Wald noch weiter entfernt, und Zone 5 bleibt der Natur überlassen. Die Logik ist praktisch: Wege sparen, Aufmerksamkeit dort konzentrieren, wo sie gebraucht wird. Viele Höfe waren früher ganz ähnlich organisiert – mit Bauerngarten am Haus und Weiden am Ortsrand.

Was Permakultur in der Praxis bedeutet

  • Mischkulturen und Polykulturen statt Reinbestände,
  • mehrjährige Pflanzen wie Obst, Nüsse, Beeren und Stauden, die nicht jedes Jahr neu gesät werden müssen,
  • Bodenbedeckung durch Mulch und Gründüngung,
  • Wassermanagement mit Teichen, Mulden und Hanggräben,
  • Integration von Tieren, etwa Hühner zur Schädlingsregulierung und Düngung,
  • Agroforstsysteme, in denen Bäume und Ackerkulturen oder Weiden auf derselben Fläche wachsen.

Agroforst ist dabei der Bereich, in dem Permakultur-Gedanken am deutlichsten in die professionelle Landwirtschaft gelangen. In Deutschland wird die Beibehaltung agroforstlicher Bewirtschaftung seit 2023 über eine Öko-Regelung der GAP honoriert.

Die Grenzen

Kritiker weisen auf Schwächen hin. Viele Permakultursysteme sind arbeitsintensiv und schwer zu mechanisieren. Belastbare Daten zu Erträgen und Wirtschaftlichkeit auf größeren Flächen sind rar; vieles beruht auf Erfahrungsberichten. Und die Versorgung einer Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln wie Getreide ist mit kleinteiligen Systemen kaum zu leisten. Realistischer als die Frage, ob Permakultur die Landwirtschaft ersetzt, ist deshalb die Frage, welche ihrer Prinzipien Betriebe übernehmen können – Vielfalt, Bodenbedeckung, Kreisläufe, Bäume auf der Fläche. Einige davon sind in der Debatte über Monokulturen längst angekommen.

Gärtnerei, Solawi, Marktgarten: an die Versicherung denken

Aus Permakultur-Projekten entstehen immer öfter Betriebe: kleine Marktgärtnereien, solidarische Landwirtschaften, Obstbau im Nebenerwerb. Wer gewerblich Gemüse, Obst oder Kräuter anbaut, betreibt ein Unternehmen der Landwirtschaft im Sinne des Sozialrechts – dazu zählt ausdrücklich auch der Gartenbau. Das hat Folgen:

  • Unfallversicherung: Landwirtschaftliche Unternehmen sind Mitglied der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, auch kleine. Unternehmer, mitarbeitende Ehegatten und Beschäftigte sind dort gegen Arbeitsunfälle versichert. Reine Haus- und Ziergärten gehören nicht dazu.
  • Alters-, Kranken- und Pflegekasse: Hier hängt die Pflicht von der Mindestgröße und von der Gewinnerzielungsabsicht ab. Eine Solawi mit angestellten Gärtnern ist anders zu beurteilen als ein Selbstversorgergarten.
  • Mitglieder, die mithelfen: Ob Solawi-Mitglieder bei Mitmachtagen versichert sind, hängt von der Organisation ab und sollte vorab mit der SVLFG geklärt werden.
Gut zu wissen

Wer ein Garten- oder Landwirtschaftsprojekt gründet, meldet es am besten gleich bei der SVLFG an und lässt sich die Versicherungspflicht in allen Zweigen bestätigen. Das vermeidet Nachforderungen – und sorgt dafür, dass bei einem Unfall der Schutz besteht. Mehr im Merkblatt Versicherungspflicht und Beiträge.

Fazit

Permakultur ist weniger eine fertige Anbaumethode als eine Denkweise: Systeme so zu gestalten, dass sie mit möglichst wenig Aufwand von außen dauerhaft funktionieren. Als Gesamtmodell für die Landwirtschaft taugt sie nur begrenzt. Als Ideengeber für vielfältigere, widerstandsfähigere Betriebe hat sie ihren Platz – und für viele kleine Gärtnereien ist sie längst Wirtschaftsgrundlage.

Quellen und weiterführende Stellen