Ist eine private Pflegezusatzversicherung sinnvoll?
Die gesetzliche Pflegeversicherung – auch die landwirtschaftliche Pflegekasse – ist eine Teilversicherung. Sie zahlt feste Beträge, keine vollständigen Kosten. Die Lücke tragen die Pflegebedürftigen selbst und oft ihre Familien. Eine private Zusatzversicherung kann sie verkleinern, aber nicht für jeden ist sie die beste Lösung.
Wie groß die Pflegelücke ist
Wie viel Geld im Pflegefall fehlt, hängt davon ab, wie gepflegt wird. Wer zu Hause von Angehörigen versorgt wird, kommt mit Pflegegeld und Entlastungsleistungen oft zurecht – der eigentliche Preis ist die Zeit und Kraft der Familie. Teuer wird es, wenn ein ambulanter Dienst viele Leistungen übernimmt oder ein Heimplatz nötig wird. Im Heim zahlen Bewohner neben dem pflegebedingten Eigenanteil auch Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten. Nach regelmäßigen Auswertungen des Verbands der Ersatzkassen liegt die gesamte monatliche Eigenbeteiligung im ersten Heimjahr bundesweit im Durchschnitt inzwischen bei rund 3.000 Euro, regional deutlich darüber. Mit längerer Aufenthaltsdauer sinkt der pflegebedingte Anteil durch gestaffelte Zuschläge, die übrigen Kosten bleiben.
Die drei Arten der Zusatzversicherung
| Art | Funktionsweise | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| Pflegetagegeld | fester Betrag pro Tag je nach Pflegegrad | frei verwendbar, auch für Angehörigenpflege | Beiträge steigen mit Leistungsumfang |
| Pflegekostenversicherung | erstattet nachgewiesene Kosten, die die Pflegekasse nicht trägt | zielgenau bei professioneller Pflege | kaum Nutzen bei Pflege durch Familie |
| Pflegerentenversicherung | lebenslange Rente im Pflegefall, oft mit Kapitalbildung | lange Vertragsbindung, teils vererbbar | teuer, wenig flexibel |
Für landwirtschaftliche Familien, in denen oft Angehörige pflegen, ist das Pflegetagegeld meist die passendste Form: Das Geld kann für Haushaltshilfe, Umbauten oder zur Entlastung der pflegenden Person verwendet werden.
Der Pflege-Bahr
Seit 2013 fördert der Staat bestimmte Pflegetagegeld-Tarife mit einer Zulage von 5 Euro im Monat, wenn mindestens 10 Euro Eigenbeitrag gezahlt werden. Die geförderten Tarife dürfen niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen und keine Gesundheitsprüfung verlangen; dafür gibt es eine Wartezeit von bis zu fünf Jahren. Für Menschen mit Vorerkrankungen kann der Pflege-Bahr deshalb der einzige Zugang zu einer Pflegezusatzversicherung sein. Für Gesunde sind ungeförderte Tarife oft günstiger im Verhältnis zur Leistung.
Wer eine Zusatzversicherung abschließt, sollte auf die Leistung schon in niedrigen Pflegegraden achten, auf Beitragsbefreiung im Pflegefall und darauf, ob die Leistung auch bei Demenz ohne Einschränkung gezahlt wird. Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest vergleichen regelmäßig Tarife.
Altenteil und Pflege
Auf vielen Höfen ist die Pflege der Übergeber traditionell im Übergabevertrag geregelt: Wohnrecht, Verköstigung, „Wart und Pflege“. Solche Vereinbarungen stammen oft aus einer Zeit, in der Pflegeheime die Ausnahme waren. Heute sollten Übergeber und Übernehmer ehrlich besprechen, was passiert, wenn häusliche Pflege nicht mehr möglich ist. Muss der Hofnachfolger dann für Heimkosten aufkommen? Wird ein Wohnrecht zu Geld? Eine Pflegezusatzversicherung der Übergeber kann hier Konflikte entschärfen – sie ist Vorsorge für beide Generationen.
Reichen eigenes Einkommen und Vermögen im Pflegefall nicht, kann das Sozialamt Hilfe zur Pflege leisten und unter Umständen auf Kinder zurückgreifen, wenn deren Jahreseinkommen über 100.000 Euro liegt. Außerdem kann eine Schenkung, etwa eine Hofübergabe, innerhalb von zehn Jahren zurückgefordert werden, wenn der Schenker verarmt. Beides sollte bei der Übergabeplanung bekannt sein.
Für wen sich eine Zusatzversicherung lohnt
- Eher ja: für Menschen mit überschaubaren Ersparnissen, die ihr Vermögen – etwa das Altenteil oder Grundbesitz – nicht für Pflege aufbrauchen wollen; für Familien, in denen niemand pflegen kann.
- Eher nein: für Menschen mit sehr hohem Vermögen, die die Pflegelücke aus eigenen Mitteln tragen können, und für Menschen mit sehr niedrigem Einkommen, bei denen im Pflegefall ohnehin das Sozialamt einspringt.
- Der richtige Zeitpunkt: möglichst früh, weil die Beiträge mit dem Eintrittsalter steigen und Vorerkrankungen den Abschluss erschweren.
Wie die gesetzliche Pflegekasse funktioniert und welche Leistungen sie bietet, steht im Merkblatt Pflege.
Häufige Fragen
Zahlt die landwirtschaftliche Pflegekasse weniger als andere Pflegekassen?
Nein. Die Leistungen richten sich nach dem SGB XI und sind bei allen gesetzlichen Pflegekassen gleich.
Kann ich eine Zusatzversicherung auch mit 65 noch abschließen?
Ja, aber die Beiträge sind dann deutlich höher und Gesundheitsfragen können zu Ablehnung führen. Der Pflege-Bahr ist ohne Gesundheitsprüfung möglich.