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Merkblatt D-03

So soll der Landärztemangel in Deutschland beseitigt werden

Aktualisiert am 28. September 20262 Min. LesezeitSGB V

Für viele Menschen auf dem Land ist der Weg zur Hausarztpraxis länger geworden, und frei werdende Praxen finden keine Nachfolger. Politik, Kassenärztliche Vereinigungen und Kommunen versuchen seit Jahren gegenzusteuern. Ein Überblick über die wichtigsten Ansätze.

Warum Ärzte auf dem Land fehlen

Der Mangel hat mehrere Ursachen, die sich gegenseitig verstärken. Viele Hausärztinnen und Hausärzte auf dem Land gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Der Nachwuchs arbeitet häufiger in Teilzeit und angestellt, statt eine eigene Praxis zu übernehmen. Ländliche Regionen gelten als weniger attraktiv, weil Infrastruktur, Arbeitsplätze für Partner und Kinderbetreuung fehlen. Gleichzeitig wird die Bevölkerung auf dem Land älter und braucht mehr Versorgung.

Für landwirtschaftliche Familien ist das mehr als eine Komfortfrage. Wer abgelegen wohnt und körperlich schwer arbeitet, braucht eine erreichbare Hausarztpraxis – für Vorsorge, für die Behandlung nach kleineren Verletzungen und für die ärztlichen Bescheinigungen, von denen etwa die Betriebshilfe abhängt.

Die Landarztquote

Mehrere Bundesländer vergeben einen Teil ihrer Medizinstudienplätze an Bewerberinnen und Bewerber, die sich verpflichten, nach dem Studium und der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin für eine bestimmte Zeit – meist zehn Jahre – in einer unterversorgten oder davon bedrohten Region ihres Landes zu arbeiten. Nordrhein-Westfalen hat die Quote 2019 als eines der ersten Länder eingeführt, inzwischen nutzt eine Mehrheit der Länder das Instrument. Die Auswahl erfolgt nicht allein nach Abiturnote, sondern auch über Tests, Auswahlgespräche und Berufserfahrung im Gesundheitswesen. Wer die Verpflichtung nicht erfüllt, muss eine hohe Vertragsstrafe zahlen.

Weil das Medizinstudium mit Weiterbildung über ein Jahrzehnt dauert, wirkt die Quote erst langfristig. Ihre Befürworter sehen darin einen verlässlichen Baustein, Kritiker bemängeln die frühe Bindung junger Menschen an einen Lebensweg.

Förderung von Praxen

Kassenärztliche Vereinigungen, Länder und Kommunen fördern Niederlassungen in unterversorgten Gebieten mit Zuschüssen zur Praxisgründung oder -übernahme, Umsatzgarantien, Sicherstellungszuschlägen und Stipendien für Medizinstudierende, die sich für eine ländliche Region entscheiden. Manche Gemeinden stellen Praxisräume, helfen bei der Wohnungssuche oder bei der Suche nach Arbeit für Partner.

Neue Versorgungsformen

  • Medizinische Versorgungszentren und Gemeinschaftspraxen: Angestellte Ärztinnen und Ärzte, geteilte Dienste, weniger unternehmerisches Risiko – attraktiv für den Nachwuchs.
  • Zweigpraxen und Sprechstunden vor Ort: Eine Praxis in der Kreisstadt bietet an bestimmten Tagen Sprechstunden in umliegenden Dörfern an.
  • Delegation: Speziell qualifizierte medizinische Fachangestellte übernehmen Hausbesuche und Routineaufgaben.
  • Telemedizin: Videosprechstunden, telemedizinische Konsile und elektronische Rezepte sparen Wege, ersetzen aber die Untersuchung nicht immer.
  • Kommunale Gesundheitszentren: Kommunen betreiben Einrichtungen, in denen Ärzte, Pflege und Therapie zusammenarbeiten.
Gut zu wissen

Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen vermitteln unter der Rufnummer 116 117 Termine bei Haus- und Fachärzten und sind außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst. In Notfällen gilt immer die 112.

Was Landwirte selbst tun können

Gegen den Ärztemangel kann eine einzelne Familie wenig ausrichten, aber einiges, um die eigene Versorgung zu sichern:

  • feste Hausarztpraxis haben, auch wenn man selten krank ist
  • Vorsorgetermine in ruhige Zeiten des Arbeitsjahres legen
  • Videosprechstunde für Folgetermine und Beratung nutzen
  • Erste-Hilfe-Kenntnisse im Betrieb auffrischen – lange Anfahrtswege von Rettungsdiensten sind Realität
  • Medikamentenplan und Notfallinformationen im Haus bereithalten

Mehr zu den Gesundheitsleistungen der landwirtschaftlichen Krankenkasse steht im Merkblatt Krankheiten.

Quellen und weiterführende Stellen