Vorsorge und Prävention: gesund bleiben auf dem Betrieb
Landwirtschaftliche Arbeit ist körperlich, oft einsam und von Wetter und Märkten abhängig. Vorsorge kommt da leicht zu kurz – dabei stehen Versicherten der landwirtschaftlichen Krankenkasse dieselben Vorsorgeleistungen zu wie allen gesetzlich Versicherten.
Untersuchungen, die jedem zustehen
Die landwirtschaftliche Krankenkasse übernimmt die Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen, die der Gemeinsame Bundesausschuss für die gesetzliche Krankenversicherung festlegt. Dazu gehören der Gesundheits-Check-up (zwischen 18 und 34 Jahren einmal, ab 35 alle drei Jahre), Krebsfrüherkennung nach Alter und Geschlecht, Hautkrebs-Screening ab 35, Zahnvorsorge sowie die Kinder- und Jugenduntersuchungen. Schutzimpfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sind ebenfalls Kassenleistung.
Für Menschen, die viel draußen arbeiten, ist das Hautkrebs-Screening besonders sinnvoll. UV-Strahlung ist in der Landwirtschaft ein echtes Berufsrisiko; bestimmte Formen von hellem Hautkrebs können sogar als Berufskrankheit anerkannt werden.
Impfungen mit Hofbezug
Neben den Standardimpfungen gibt es Impfungen, die in der Landwirtschaft eine besondere Rolle spielen:
- Tetanus: Verletzungen mit Erde, Mist oder rostigem Metall sind Alltag. Die Auffrischung alle zehn Jahre sollte nicht vergessen werden.
- FSME: In Risikogebieten, vor allem in Süddeutschland, empfohlen für alle, die sich viel im Freien aufhalten – also für Wald- und Feldarbeit.
- Weitere Impfungen können bei beruflichem Kontakt zu Tieren oder bestimmten Erregern sinnvoll sein; das klärt die Hausärztin oder der Betriebsarzt.
Vorsorgekuren und Mutter-/Vater-Kind-Maßnahmen
Reichen ambulante Maßnahmen nicht aus, um einer Erkrankung vorzubeugen, kommen Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten oder stationär in Vorsorgeeinrichtungen in Betracht. Mütter und Väter können Vorsorgemaßnahmen mit oder ohne Kind beantragen. Für landwirtschaftliche Unternehmer ist entscheidend, dass während einer bewilligten Vorsorge- oder Reha-Maßnahme Betriebs- und Haushaltshilfe möglich ist – sonst scheitert die Kur oft schon an der Frage, wer die Tiere versorgt. Mehr im Merkblatt Betriebshilfe und Haushaltshilfe.
Präventionsangebote der SVLFG
Als Kranken- und zugleich Unfallversicherung verbindet die SVLFG Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz. Sie bietet – teils regional, teils online – Kurse und Seminare an, etwa zu Rückengesundheit, Stressbewältigung, Entspannung oder zum Umgang mit Belastungen bei der Pflege von Angehörigen. Zertifizierte Präventionskurse anderer Anbieter werden nach den Regeln der Krankenkasse bezuschusst. Hinzu kommen Beratungen zur Arbeitssicherheit auf dem Betrieb, die im Register Arbeitsschutz beschrieben sind.
Seelische Gesundheit
Hohe Arbeitsbelastung, finanzielle Unsicherheit, Generationenkonflikte bei der Hofübergabe, Tierseuchen oder Missernten: Die psychische Belastung in landwirtschaftlichen Familien ist hoch und wird selten offen angesprochen. Hilfe gibt es bei der Hausärztin, bei den landwirtschaftlichen Familienberatungen, bei psychotherapeutischen Praxen und über die Angebote der SVLFG. Psychotherapie ist Kassenleistung; über die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (Telefon 116 117) lassen sich Erstgespräche vermitteln.
Bei akuten Suizidgedanken nicht warten: Notruf 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr und kostenlos.
Typische Gesundheitsrisiken – und was hilft
| Risiko | Beispiel | Vorsorge |
|---|---|---|
| Muskel und Skelett | Heben, Melken, Traktorfahren mit Vibrationen | Hebehilfen, Pausen, Rückentraining |
| Atemwege | Staub, Schimmelsporen, Stallluft | Absaugung, Atemschutz, Lungenfunktionstest |
| Haut | Sonne, Pflanzenschutz, Feuchtarbeit | Sonnenschutz, Handschuhe, Hautscreening |
| Gehör | Maschinen, Motorsäge, Schweinestall | Gehörschutz, Hörtest |
| Psyche | Überlastung, Einsamkeit, Existenzsorgen | frühe Beratung, Entlastung, Therapie |
Häufige Fragen
Muss ich für den Check-up einen Antrag stellen?
Nein. Die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen rechnet die Praxis direkt mit der Krankenkasse ab. Nur Vorsorgekuren müssen beantragt werden.
Gibt es während einer Kur Betriebshilfe?
Ja, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Klären Sie das zusammen mit dem Kurantrag, bevor die Maßnahme beginnt.